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GE|DAN|KEN

Vorgang des Denkens || im engeren Sinne: eine Erkenntnis

HANDWERK BESCHREIBEN

Als Kunstpädagogin war es meine Aufgabe Handfertigkeiten zu vermitteln. Unterschiedliche Werkzeuge und Werkstoffe wurden in den Werkstätten verwendet. Herausfordernd war der Umgang mit der Nähmaschine. Die Auge - Hand - Fuß Koordination ist für Kinder und Jugendliche sichtlich schwer. Meine Lösung war, die Tätigkeit bis in die kleinste Handlung zu analysieren und als Leitfaden zur Verfügung zu stellen. Zu zweit, eine laut vorlesend, die andere ausführend, wurden so die aufeinanderfolgenden Handlungsschritte trainert. Gelernt wurde hier, neben dem Umgang mit der Maschine, dass für Zusammenarbeit ein Abgleichen zwischen dem was gesagt und dem was getan wird notwendig ist, um ein erfolgreiches Ergebnis erzielen zu können.

Als Supervisorin beobachte ich, wie wertvoll es ist, wenn Kommunikationsprozesse zu einem gegenseitigen Verständnis - im Sinne des Be-greifens - führen. Die Erleichterung, die sich im Team einstellt, wenn bestimmte Sachverhalten, Umgangsformen oder Haltungen für alle klar sind, ist körperlich spürbar. In diesem Fall wird keine Handfertigkeit trainiert, sondern die Wahrnehmung für mein Gegenüber.

Schlüsselwörter: Prozesse ananlysieren, Vorgaben kommunizieren, Verständnis herstellen

ZUHÖREN

"Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war Zuhören. Das ist doch nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher sagen, zuhören kann doch jeder.

Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig. Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den Anderen auf solche Gedanken brachte, nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten.

Sie konnte so zuhören, dass ratlose oder unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wußten, was sie wollten. Oder Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf den es überhaupt nicht ankommt, und er ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf - und er ging hin und erzählte alles das der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete auf geheimnisvolle Art klar, dass er sich gründlich irrte, dass es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und dass er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war. So konnte Momo zuhören!"

aus: Micheal Ende: Momo, Stuttgart 1973

GRENZGÄNGE

Zusammenfassung der Abschlussarbeit,

die im Rahmen der Ausbildung ÖAGG - Supervision Coaching Organisationsberatung entstanden ist.

 

Die Parameter Raum, Zeit und Beziehung werden als drei wesentliche Faktoren eines Beratungsprozesses gesehen. Welche Grenzlinien sich innerhalb der einzelnen Punkte ergeben, war das Interesse, das zu dieser Auseinandersetzung geführt hat. Die Frage Wann beginnt ein Beratungsprozess und wo endet dieser? wird aus einer Kombination von persönlichen Erfahrungen, Praxis, Reflexion und wissenschaftlichen Texten beantwortet. Manche Prozesse verlangen nach einer Öffnung, andere brauchen eine Reduktion. Genauso verhält es sich mit Grenzziehungen. An manchen Stellen ist es unbedingt notwendig Grenzen zu ziehen, um in anderen Bereichen grenzenloses Tun zu ermöglichen.

 

Schlüsselwörter: Grenzziehungen. Praxiserfahrung. Reflexion. Raum. Zeit. Beziehung. Profession. Rahmenbedingungen. Auftragsklärung. Kontrakt. Haltung. Berufslaufbahn.

RAHMENBEDINGUNGEN

Professionelle Beratung definiert im Vorhinein einen eindeutigen Rahmen welcher die Beratungssituation im Bezug auf Raum, Zeit und Kosten begrenzt. Durch die Rahmenbedingungen ist es möglich sich auf den Prozess einzulassen. "Und weil niemand weiß, was genau jetzt bei einer Beratung herauskommen wird, ist die Situation diffus. Diffuse Situationen machen Angst, aber auch Lust, sich auf das Abenteuer einzulassen. In diesem Spannungsfeld von Angstlust (Balint 1972) sollten Veränderung und Entwicklung möglich sein. Zu viel Angst blockiert, zu viel Lust verliert den Bezug zur Realität." (Karin Lackner. Beratung scheitert nicht!

In: supervision Mensch Arbeit Organisation. Band 3. Psychosozial-Verlag, Gießen 2015, S. 44)

VERBUNDENHEIT DURCH DIFFERENZIERUNG

"Um der weiblichen Genealogie-Amnesie entgegenzuwirken, können wir uns bewusst auf andere Frauen beziehen. Die Diotima-Philosophinnen haben dazu angeregt, sich von den männlichen Maßstäben zu lösen und sich aktiv in ein Verhältnis zu Frauen und anderen minorisierten Menschen zu setzen, und zwar durchaus auch kritisch und konfliktreich. Die Diotima-Philosophinnen wollten keine homogene Gruppe schaffen oder Unterschiede nivellieren, sie wollten vielmehr Differenz unter Frauen hervorheben und damit die Möglichkeit schaffen, als Subjekt, als Individuen des "Affidamento" (ital. affidarsi, sich aufeinander beziehen, einander Vertrauen schenken) haben die italienischen Feministinnen vorgeschlagen, das Urteil, die Einschätzungen und Denkweisen anderer Frauen als Orientierung für das eignene Handeln zu nehmen. Ihr Ziel war es, den vorherrschenden Strukturen die Autorität zu entziehen und die Maßstäbe zu verändern." (Franziska Schutzbach. Revolution der Verbundenheit. Wie weibliche Solidarität die Gesellschaft verändert. 2024, Droemer Verlag, S. 134)

PERSPEKTIVENWECHSEL

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Als Künstlerin inspirieren mich alltägliche Handlungen zu neuen Objekten. Durch diese ist dann, im besten Fall, eine neue Sicht auf die Umgebung möglich.

Die Liechtensteiner Künstlerin Dagmar Frick-Islitzer hat mich im Zuge ihres Projektes Die Künstlerbrille zur Arbeitshaltung Perspektivwechsel interviewt.

In Beratungsprozessen geht es immer wieder um den Wechsel der Perspektive. Hier treffen sich demnach zwei Disziplinen um sich gegenseitig zu erweitern.

Viel Freude beim Anhören!

 Kerstin Wiesmayer

SUPERVISION • COACHING • BERATUNG

OBJEKT - GESTALTUNG

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